IT-Budgets werden meist fortgeschrieben: Man nimmt das Vorjahr, rechnet einen Aufschlag darauf und reicht es ein. Das funktioniert, solange nichts Größeres ansteht — und scheitert genau in dem Jahr, in dem etwas ansteht.
Der Grund ist selten Nachlässigkeit. Die Posten, die ein Budget sprengen, sind gerade die, die im Vorjahr nicht vorkamen: die Ersatzbeschaffung, die anstehende Preiserhöhung, das Projekt, von dem die IT im September erfährt.
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Ein belastbares IT-Budget besteht aus vier Teilen: laufende Kosten, geplante Investitionen, absehbare Preisänderungen und ein Puffer für Ungeplantes. Regelmäßig unterschätzt werden vier Posten — der Austauschzyklus der Endgeräte, die stille Steigerung bei Software-Abos, die Nebenkosten von Projekten aus anderen Abteilungen und die interne Arbeitszeit. Die belastbarste Grundlage ist nicht die Vorjahresplanung, sondern zwölf Monate tatsächliche Zahlungen — sie enthalten auch, was nie in einem Budget stand.
Die vier Teile eines Budgets
| Teil | Enthält | Planbarkeit |
|---|---|---|
| Laufende Kosten | Lizenzen, Abos, Wartung, Cloud, Anbindung | hoch, aber steigend |
| Investitionen | Endgeräte, Server, Netzwerk, größere Software | hoch bei gepflegtem Inventar |
| Preisänderungen | angekündigte Erhöhungen, Vertragsanpassungen | mittel |
| Puffer | Ausfälle, kurzfristige Anforderungen | niedrig — deshalb Puffer |
Der dritte Teil fehlt in den meisten Planungen vollständig, obwohl er sich am einfachsten ermitteln lässt: Preisänderungen werden angekündigt, oft Monate vorher. Sie stehen in Mails, die niemand aufhebt — und wer sie sammelt, hat den Posten fertig, bevor die Planung beginnt.

Was regelmäßig unterschätzt wird
Der Austauschzyklus der Endgeräte
Arbeitsplatzgeräte halten vier bis fünf Jahre. Bei sechzig Geräten bedeutet das rechnerisch zwölf bis fünfzehn Ersatzbeschaffungen pro Jahr — jedes Jahr, dauerhaft.
In der Praxis wird stattdessen aufgeschoben, bis mehrere Geräte gleichzeitig ausfallen. Dann entsteht eine Sonderbeschaffung, die als unvorhergesehen gilt, obwohl sie vorhersehbar war. Wer den Zyklus einmal durchrechnet, kann ihn als festen Jahresposten einplanen — und vermeidet die Spitzen.
Voraussetzung ist ein Inventar mit Beschaffungsdaten. Ohne das bleibt die Planung eine Schätzung, und Schätzungen fallen erfahrungsgemäß zu niedrig aus — niemand rechnet mit dem Gerät, das noch läuft.
Die stille Steigerung bei Abos
Software-Abonnements wachsen aus zwei Richtungen: Die Zahl der Nutzenden steigt, und die Preise werden angepasst. Beides passiert schrittweise und fällt monatlich nicht auf.
Über ein Jahr summiert sich das jedoch spürbar. Wer sein Budget aus dem Vorjahreswert fortschreibt, ohne diese Entwicklung zu berücksichtigen, plant systematisch zu niedrig — und zwar in jedem Jahr aufs Neue.
Die Gegenprobe ist einfach: den Betrag für wiederkehrende Software im Januar mit dem im Dezember vergleichen. Die Differenz ist der Wert, der für das Folgejahr fortzuschreiben ist.
Projekte aus anderen Abteilungen
Der unangenehmste Posten. Eine Fachabteilung führt eine neue Anwendung ein — und die IT erfährt davon, wenn Anbindung, Schnittstellen und Berechtigungen gebraucht werden. Die Software steht im Budget der Fachabteilung, der Aufwand fällt bei der IT an.
Dagegen hilft kein Budgetposten, sondern ein Prozess: Wer eine Anwendung beschafft, holt vorher eine Einschätzung der IT ein — nicht als Genehmigung, sondern zur Aufwandsabschätzung. Diese Regel scheitert, wenn sie als Bremse wahrgenommen wird, und funktioniert, wenn sie innerhalb weniger Tage beantwortet ist.
Die interne Arbeitszeit
Sie erscheint in keinem IT-Budget, weil sie über Personalkosten läuft und dort nicht als IT ausgewiesen ist. Für die Frage, was IT kostet, gehört sie trotzdem dazu — und für die Frage, ob eine Auslagerung sich lohnt, ist sie die entscheidende Größe.
Gerade in Betrieben ohne eigene IT-Abteilung ist dieser Posten erheblich, weil der Betrieb nebenbei von Menschen erledigt wird, die eigentlich etwas anderes tun. Diese Stunden tauchen nirgends auf, verschwinden aber auch nicht.
Für die Planung genügt eine grobe Erfassung über vier Wochen: Wer wendet wie viel Zeit für IT-Themen auf? Das Ergebnis überrascht in der Regel — und es ist die einzige Zahl, mit der sich beantworten lässt, ob eine externe Betreuung teurer oder günstiger wäre als der Status quo.
Ein Beispiel: der Unterschied zwischen Fortschreibung und Aufbau
Wie stark sich die Methode auswirkt, zeigt ein Vergleich zweier Planungen für denselben Betrieb mit 60 Arbeitsplätzen.
| Posten | Fortschreibung | Aufgebaut |
|---|---|---|
| Laufende Lizenzen | Vorjahreswert + 5 % | tatsächliche Zahlungen + gemessene Steigerung |
| Endgeräte | wie im Vorjahr beschafft | ein Fünftel des Bestands nach Alter |
| Angekündigte Erhöhungen | nicht enthalten | je Vertrag mit Datum erfasst |
| Vorhaben der Fachbereiche | nicht enthalten | abgefragt, grob geschätzt |
| Puffer | keiner ausgewiesen | offen ausgewiesen |
Die Fortschreibung ist in zwei Stunden fertig und wird im Laufe des Jahres dreimal überzogen. Der Aufbau dauert beim ersten Mal zwei bis drei Tage und danach einen Tag jährlich, weil die Struktur steht.
Entscheidend ist nicht, dass die aufgebaute Planung höher ausfällt — das tut sie meist. Entscheidend ist, dass jeder Posten eine Begründung hat. Eine Planung, die um zehn Prozent über dem Vorjahr liegt und das erklären kann, wird eher bewilligt als eine, die fünf Prozent fordert und im Juni nachverhandeln muss.

Die belastbare Grundlage
Für die laufenden Kosten ist die beste Quelle nicht die Vorjahresplanung, sondern die tatsächlichen Zahlungen über zwölf Monate. Der Unterschied ist erheblich: Die Planung enthält, was jemand vorgesehen hat; die Zahlungen enthalten, was passiert ist.
In dieser Liste stehen regelmäßig Positionen, die nie in einem Budget standen — Werkzeuge, die Fachabteilungen selbst beschafft haben, Verlängerungen, die automatisch liefen, kleine Dienste, die über Kreditkarte gebucht wurden. Sie sind trotzdem IT-Kosten und werden im Folgejahr wieder anfallen.
Die Zusammenführung dieser Angaben aus Verträgen, Lastschriften und Systemlisten ist die eigentliche Arbeit an der Budgetplanung. Werkzeuge, die wiederkehrende Zahlungen und Verträge in einer Ansicht führen, ersetzen dabei die jährliche Sucharbeit durch einen laufend gepflegten Bestand.
Der Aufbau in fünf Schritten
- Zwölf Monate Zahlungen auswerten Wiederkehrendes von Einmaligem trennen. Das ergibt die Basis der laufenden Kosten.
- Austauschzyklus rechnen Geräte nach Beschaffungsjahr sortieren, den Anteil für das kommende Jahr als festen Posten einplanen.
- Angekündigte Änderungen sammeln Preiserhöhungen, auslaufende Verträge, Lizenzumstellungen — alles mit Datum.
- Vorhaben abfragen Bei den Fachbereichen: Was ist für das kommende Jahr geplant, das IT berührt?
- Puffer festlegen Ein realistischer Anteil für Ungeplantes, offen ausgewiesen statt versteckt.
Der fünfte Punkt ist der, bei dem die meisten zögern, weil ein ausgewiesener Puffer nach Unsicherheit aussieht. Das Gegenteil ist der Fall: Ein Budget ohne Puffer wird überzogen, und die Überziehung erklärt sich schlechter als der Puffer.
Wie das Budget verteidigt wird
Ein IT-Budget wird selten wegen seiner Höhe hinterfragt, sondern wegen seiner Begründung. „Wie im Vorjahr plus fünf Prozent“ ist keine Begründung — es ist eine Fortschreibung, und sie lädt zur Kürzung ein.
Belastbar wird die Planung durch drei Angaben je größerem Posten: worauf er beruht, was passiert, wenn er gestrichen wird, und wann er spätestens fällig ist. Diese drei beantworten die Rückfragen, bevor sie kommen.
Besonders wirksam ist die zweite Angabe. Ein Austauschbudget für Endgeräte lässt sich streichen — die Konsequenz ist, dass im Folgejahr das Doppelte fällig wird, weil die Geräte nicht jünger werden. Wer das vorher aufschreibt, führt die Diskussion einmal statt jedes Jahr.
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Der Unterschied zwischen Kürzung und Verschiebung
In Budgetgesprächen wird häufig gekürzt, was tatsächlich nur verschoben wird. Ein nicht ersetztes Endgerät verschwindet nicht — es wird ein Jahr später ersetzt, meist zu einem ungünstigeren Zeitpunkt und häufig als Eilbeschaffung.
Diese Unterscheidung offen zu benennen verändert das Gespräch. Es gibt Posten, die sich wirklich streichen lassen: ein Werkzeug, das niemand nutzt, ein Vorhaben, das verschoben werden kann. Und es gibt Posten, die sich nur verlagern: Austausch, Wartung, Lizenzverlängerung.
Wer beide Kategorien in der Planung sichtbar trennt, macht die Entscheidung leichter statt schwerer — und vermeidet die Situation, in der eine Kürzung als Einsparung gilt, obwohl sie nur eine Rechnung ins nächste Jahr schiebt.

Häufige Fragen
Woraus besteht ein IT-Budget?
Aus vier Teilen: laufende Kosten für Lizenzen, Abos, Wartung und Cloud; geplante Investitionen wie Endgeräte und Server; absehbare Preisänderungen; und ein ausgewiesener Puffer für Ungeplantes. Der dritte Teil fehlt in den meisten Planungen, obwohl Preisänderungen in der Regel Monate vorher angekündigt werden.
Welche Posten werden am häufigsten vergessen?
Vier: der Austauschzyklus der Endgeräte, die stille Steigerung bei Software-Abos durch mehr Nutzende und Preisanpassungen, IT-Aufwand aus Projekten anderer Abteilungen und die interne Arbeitszeit für den Betrieb. Die ersten beiden sind vorhersehbar, die dritte lässt sich durch einen Abstimmungsprozess entschärfen.
Wie plant man den Geräteaustausch?
Über den Zyklus statt über den Ausfall. Bei vier bis fünf Jahren Nutzungsdauer steht jährlich etwa ein Fünftel des Bestands an. Als fester Jahresposten eingeplant vermeidet das die Sonderbeschaffungen, die entstehen, wenn mehrere Geräte gleichzeitig ausfallen. Voraussetzung ist ein Inventar mit Beschaffungsdaten.
Was ist die beste Grundlage für die laufenden Kosten?
Zwölf Monate tatsächliche Zahlungen, nicht die Vorjahresplanung. Die Planung enthält, was jemand vorgesehen hat; die Zahlungen enthalten, was passiert ist — einschließlich der Werkzeuge, die Fachabteilungen selbst beschafft haben, und der Verträge, die sich automatisch verlängert haben.
Wie begründet man das Budget gegenüber der Geschäftsführung?
Mit drei Angaben je größerem Posten: worauf er beruht, was bei einer Streichung passiert und wann er spätestens fällig ist. Die zweite Angabe wirkt am stärksten — ein gestrichenes Austauschbudget bedeutet im Folgejahr den doppelten Betrag, und das lässt sich vorher aufschreiben statt jedes Jahr neu zu diskutieren.
Jens Hagel ist Geschäftsführer der hagel IT-Services GmbH in Hamburg und seit über 20 Jahren in der IT-Branche tätig. Schwerpunkte: Managed Services, Cloud-Migration zu Microsoft Azure, Microsoft 365, IT-Sicherheit und externe Datenschutzberatung für mittelständische Unternehmen in Norddeutschland.
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